hauptbildIm Haus Sonnenschein in Brilon, wird pädagogische Arbeit lebendig gedacht und individuell gestaltet. Ein schönes Beispiel dafür ist die Verbindung von Ausbildung, persönlichen Stärken und erlebnispädagogischen Angeboten, die den Alltag der Jugendlichen nachhaltig bereichern.

Ein Bericht eines Auszubildenen:
Derzeit absolviere ich im Haus Sonnenschein eine praxisintegrierte Ausbildung zum Erzieher und befinde mich im zweiten Ausbildungsjahr. Im Rahmen dieser Ausbildung finden regelmäßig Lehrerbesuche statt, bei denen geplante pädagogische Angebote mit den Jugendlichen durchgeführt, beobachtet und reflektiert werden. Diese Besuche bieten die Möglichkeit, theoretisches Wissen in die Praxis zu übertragen und meine eigenen pädagogischen Schwerpunkte weiterzuentwickeln.
Besonders wertvoll erlebe ich dabei die Offenheit des Sozialwerk Sauerlands und des Hauses Sonnenschein, persönliche Stärken gezielt zu fördern. So konnte ich mein eigenes Hobby – das Klettern – erlebnispädagogisch in meine Ausbildung einbringen. Diese Unterstützung macht es möglich, Angebote zu gestalten, die authentisch sind und Jugendliche auf besondere Weise erreichen.
Im Rahmen eines Lehrerbesuchs wurde ein erlebnispädagogisches Bewegungsangebot umgesetzt. Gemeinsam mit zwei Jugendlichen ging es in die Kletterhalle Willingen, welche wir diesen Abend allein für uns hatten. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Hendrik und Frank, für die Möglichkeit die Kletterhalle für meinen Lehrerbesuch nutzen zu dürfen. Bereits im Vorfeld konnte ich mehrere Jugendliche für das Klettern begeistern – für einige war es der erste Kontakt mit dieser Sportart, für andere eine neue Herausforderung auf ihrem persönlichen Entwicklungsweg.
Klettern bietet aus pädagogischer Sicht vielfältige Chancen. Die Jugendlichen erfahren Selbstwirksamkeit, lernen mit Ängsten und Grenzen umzugehen und entwickeln Vertrauen – sowohl in sich selbst als auch in andere. Das gegenseitige Sichern erfordert Verantwortungsbewusstsein, Kommunikation und Verlässlichkeit. Gleichzeitig werden Konzentration, Körperwahrnehmung und motorische Fähigkeiten gefördert. In der erlebnispädagogischen Arbeit steht dabei nicht die sportliche Leistung im Vordergrund, sondern das individuelle Erleben und Wachsen an der eigenen Herausforderung.
Ein besonders schönes Beispiel für diese Entwicklung ist ein Jugendlicher, der nach intensiver Vorbereitung – inklusive Sicherungstechniken, Knotenkunde, viel Theorie und einer praktischen Abschlussprüfung – bereits seinen Indoor-Toprope-Kletterschein erwerben konnte. Die Begeisterung ist so groß, dass er nun voller Motivation darauf hinarbeitet, auch den Vorstiegsschein zu machen.
Für den Lehrerbesuch wurde das Angebot noch persönlicher gestaltet: Für die beiden teilnehmenden Jugendlichen wurde im Vorfeld jeweils eine individuelle Kletterroute, angepasst an ihr Können und ihre Stärken, geschraubt. Die Freude und der Stolz waren riesig, als sie ihre eigenen Namen an „ihren“ Routen in der Kletterhalle entdecken konnten – ein Moment, der Selbstwert stärkt und lange in Erinnerung bleibt.
Das Haus Sonnenschein in Brilon bietet durch seine Offenheit für individuelle Stärken und kreative pädagogische Ansätze einen idealen Rahmen, um solche Angebote umzusetzen. Die Möglichkeit, persönliche Interessen in die Ausbildung und die tägliche Arbeit einfließen zu lassen, bereichert nicht nur meine eigene fachliche Entwicklung, sondern vor allem den Alltag und die Lebenswelt der Jugendlichen.
So wird Erlebnispädagogik im Haus Sonnenschein zu einem wichtigen Baustein, um junge Menschen auf ihrem Weg zu mehr Selbstvertrauen, Gemeinschaftsfähigkeit und persönlicher Entwicklung zu begleiten.