
„Erlebnispädagogik ist eine handlungsorientierte Methode und will durch exemplarische Lernprozesse, in denen junge Menschen vor physische, psychische und soziale Herausforderungen gestellt werden, diese jungen Menschen in ihrer Persönlichkeitsentwicklung fördern und sie dazu befähigen, ihre Lebenswelt verantwortlich zu gestalten“ (Michl 2015: S. 11)
So oder so ähnlich lassen sich zahlreiche Definitionen für Erlebnispädagogik in einschlägiger Literatur finden. Im Grund sind sich alle mehr oder weniger einig. Häufig erfahren junge Menschen jedoch erlebnispädagogische Angebote in Form von Trainings oder kurzen Sequenzen bei Dritten. Das ist sicherlich nicht schädlich und hat seine Daseinsberichtigung, daher ist dies keine Kritik mit dem Wunsch dieses zu verändern.
Viel mehr möchten wir auf die Vorteile und positiven Aspekte handlungsorientierter und erlebnispädagogischer Angebote innerhalb stationärer Hilfen zur Erziehung hinweisen. Denn:
• Die benannten exemplarischen Lernprozesse werden bei uns immer wieder neu aufgesucht, so dass die jungen Menschen an bereits Erlerntes anknüpfen und neue Erfahrungen sammeln können bzw. neue Fähigkeiten und Kompetenzen sogar durch Wiederholung trainieren.
• Der Transfer des neu Erfahrenden in den Alltag und die Lebenswelt ist nicht nur durch eine gute Reflexion, sondern durch ein beständiges Beziehungsangebot zu den Fachkräften und gemeinsame Erinnerungen, gegeben.
• Die genannten Beziehungen geben darüber hinaus Halt, besonders in herausfordernden Lebenssituationen. Der junge Mensch hat innerhalb der Angebote gelernt sich auch in schwierigen Situationen auf die Fachkraft verlassen zu können. Ähnliches gilt auch für die jungen Menschen untereinander.
• Durch die Omnipräsenz der Natur und den damit verknüpften Emotionen und Erinnerungen, suchen die jungen Menschen immer wieder von selbst die Natur auf und begeben sich auf eigene Abenteuer.
Daher sehen wir für unserer erlebnis- bzw. abenteuerpädagogischen Aktionen vor, dass nicht alles verplant ist. Wir lassen Raum für individuelle Lerngesuche und unterstützen die jungen Menschen bei der Umsetzung dieser. Beispielsweise bei Bauprojekten o.ä.
Wir planen tägliche Module in Form von Microabenteuern wie Kooperations- und Durchschlagsübungen. So wird der gemeinsamen Aktion ein strukturgebender Rahmen geschaffen.
Bekannt ist ein solches Vorgehen eventuell von Pfadfindern. Auch diese gestalten ihre Aktionen mit Ritualen und wiederkehrenden Aufgaben, lassen dennoch viel Raum für die freie Beschäftigung mit sich selbst und anderen. Vielleicht sind wir deshalb diesen Herbst in das Pfadfinderheim St. Georg nach Olsberg gefahren. Das Haus verfügt über eine Ausstattung die keine Wünsche offen lässt und überzeugt dennoch mit seinem rustikalen Scharm. Die jungen Menschen konnten sich im gemeinsamen Bettenlager einrichten, wenige Mutige auch bei kühlem und regnerischen Wetter draußen im Zelt oder der Hängematte übernachten.
Gemeinsam wurde sich dem Thema Zunderherstellung und der Gewinnung von Zunder aus der Natur befasst. Unter anderem wurden Kohleläppchen und Wachspads hergestellt. Die Kinder konnten sich darin üben ein Feuer aufzubauen und mit dem Zündstahl zu entfachen.
Ein weiteres Thema war Bushcraft. Dieses Mal wurde ein Stuhl aus Totholz hergestellt. Außerdem wurden Schnitztechniken vertieft.
Neben einer längeren Wanderung zu den Bruchhäuser Steinen, wurde eine Durchschlageübung auf den Strukerstein durchgeführt. Besonders war hier, dass der Kurs mit dem Kompass bestimmt wurde. Auf dem Rückweg wurden die auf dem Phönixprojekt erlernten Fähigkeiten in der Ersten Hilfe aufgefrischt und eine Trage improvisiert, mit der dann ein junger Mensch vom Berg herab transportiert worden ist.
Abgerundet wurden die Tage mit Mahlzeiten, welche auf dem Feuer zubereitet wurden. Neben dem obligatorischen Stockbrot und Marshmellows, wurden neue Kreation wie Gemüsespieße, Schokobananen und Kartoffelspiralen ausprobiert.
Nach drei Nächten und vier Tagen waren sich wieder alle darüber einig, dass sich die Strapazen und der Verzicht auf Luxus wieder gelohnt haben.
Quelle:
Michl, Werner und Holger Seidel, Hrsg., 2018. Handbuch Erlebnispädagogik. München: Ernst Reinhardt Verlag.











